Ein paar kurze Besprechungen

Frost* - Milliontown
Kam letztes Jahr raus und war seitdem auf meiner Kaufliste. Ich habe es nicht bereut, dass ich es gekauft habe, es spiele es oft und es rockt einfach. Die Geschichte dahinter: der Pop-Komponist Jem Godfrey (hat unter anderem für Atomic Kitten gewerkelt) entschloss sich, mal ein bißchen progressives Zeug zu machen, da er anscheinend vom Pop-Song-schreiben angeödet war. Diesen Hintergrund kann man auch wirklich aus den Liedern heraushören, vor allem aus dem Gesang, aber es ist trotzdem ... mitreißend. Eine sehr moderne Herangehensweise an Prog.

Vitalij Kuprij - Glacial Inferno & Revenge (Limitierte Sonderausgabe)
Glacial Inferno ist das Hauptalbum, Revenge eine Neuauflage als Bonus zu der limitierten Ausgabe. Genres passen ja nie so ganz, aber nur damit Ihr so eine Vorstellung bekommt: Symphonic/Progressive Rock/Metal, irgendwas dazwischen. Vitalij ist ein Keyboard-Virtuoso, der sowohl klassische Musik als auch Rock spielt. Glacial Inferno ist ein reines Instrumentalalbum, Revenge ist mit Gesang. Teilweise klingt es total nach Symphony X - Michael Romeo von Symphony X hat sogar auf einem von Vitalijs früheren Alben mitgewirkt. Wenn Ihr die also mögt, hört ihn Euch mal an.

Sylvan - Presets
Dieses hier hat auch eine interessante Geschichte. Vor zwei Jahren entschied sich die Band, zwei Alben zu schreiben: eins um ihre progressivere Seite zu zeigen und eins mit kurzen, eingängigen Rocksongs um damit vielleicht sogar ins Radio zu kommen. Diesen Schritt habe ich generell erstmal begrüßt, auf ihrem vorigen Album X-Rayed kamen sie teilweise schon etwas poppiger daher, also schien es mir ein nettes Experiment, dies auf zwei Alben aufzuteilen. Wie auch immer, die zwei Alben wurden aufgenommen und waren beide für 2006 geplant. Das Konzeptalbum Posthumous Silence erschien im Frühjahr 2006 und rockte die Szene ziemlich, es bescherte der Band Popularität und Anerkennung. Für Presets waren ein paar zusätzliche Aufnahmen nötig und so kam es schließlich Anfang diesen Jahres heraus.
Ob ich es mag? Naja, schon. Nach leichter anfänglicher Enttäuschung (ok, was hatte ich auch erwartet?) und einigen Durchläufen muss ich sagen, es ist wirklich Ohrwurmmaterial. Allerdings ist es weit weit weg von Posthumous Silence, also stellt sich die Frage, ob sie wirklich einen Schritt zurück machen mussten, nur um ins populäre Radio zu kommen. Aber vielleicht mag ich ja einfach nur diese Seite der Musik weniger - wirklich schwer, über dieses Album zu reden, wie Ihr seht. ;)

Spock's Beard - Spock's Beard
Ein selbstbetiteltes Album, das fehlte den Proggern aus Los Angeles noch in ihrer Diskographie. Das kam dann auch Ende letzten Jahres raus. Kurzer Rückblick: die Gebrüder Neal und Alan Morse gründen 1992 diese Band, deren Name auf eine »Raumschiff Enterprise«-Folge zurückgeht. Auf einer Jam-Session treffen sie auf Drummer Nick D'Virgilio, Dave Meros stellt sich an den Bass und nach dem ersten Album gesellt sich Keyboard-Virtuoso Ryo Okumoto dazu und macht das Team komplett. Seitdem ist das Line-Up erstaunlich stabil geblieben, sogar fast konstant, wenn - ja wenn nicht der Kopf der Bande einen Wandel vollzogen hätte. Neal Morse nämlich, in der Prog-Szene bis heute noch als eines der größten Genies angesehen, verwandelte sich vom immerhin schon immer Gläubigen zum wiedergeborenen Christen und beschloss, künftig nur noch christliche Rockmusik zu machen und so verließ er 2002 die Band und die Supergroup Transatlantic und startete eine Solokarriere - vielleicht ja auch ein positiver Schritt, hätte er diese doch sonst wohl zu sehr in seine gewünschte Richtung gezogen.
»Geschichte wiederholt sich«, dachte sich wohl Nick D'Virgilio, der auch schon mal für Genesis getrommelt hatte, und so tat er es deren Drummer Phil Collins gleich und übernahm die Position des Frontmanns von Spock's Beard. Jetzt sind wir beim dritten Album in dieser Formation und die Stimmen werden nicht leise die sagen »Früher war alles besser!«
Ja, an ein Meisterwerk wie V kommen sie nicht mehr heran, ja, Neal Morse war das textliche Genie hinter der Musik. Aber außer ihm sind es immer noch die gleichen Musiker, die wir hier hören! Den typischen Bass erkennt man immer noch - und wenn auch die Musik eingängiger geworden ist, so erinnern Stellen immer wieder an alte Stücke. Und ganz ehrlich, ich glaube auch mit Neal Morse würde es heute nicht viel anders aussehen, dafür hätte er sich komplett neuerfinden müssen - und hört man sich seine aktuellen Alben an, so hat er dies nicht getan, kommt teilweise genauso eingängig daher. Die aktuelle Scheibe unterscheidet sich wieder ein bißchen vom Vorgänger Octane, aber ich finde sie rockt einfach. :)

Es gibt noch ein weiteres Album, über das ich reden könnte, aber das muss ich mir erst noch ein paarmal anhören. Und bald kommt auch wieder eine Menge Neues!




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